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Instrumentalsolisten

Jenny Abel

Künstlerinformationen

Jenny Abel ist ein Anti-Star, eine sehr eigenwillige Geigerpersönlichkeit, die sich nicht im Konzertbetrieb verheizen lässt. Sie spielt radikal anders", weiss ein Kritiker der Badischen Zeitung Freiburg bereits am Beginn einer ungewöhnlichen Karriere anzumerken. Die Großmeisterin der Violine lässt, was Ausdruckskraft und Virtuosität, Ausstrahlung und Temperament betrifft, so manchen Jungstar neben sich verblassen. Und was heutzutage als zeitgemäß gilt, zelebriert sie bereits von Anbeginn ihrer Karriere an: Neben das gängige Geigen-Repertoire stellt sie in ihren Programmen stets als faszinierenden Kontrast zeitgenössische oder unbekannte Werke und verbindet Bekanntes mit Neuentdeckungen.

Mit zwei Jahren erhält Jenny Abel, geboren in Theodor Storms Geburtshaus in Husum, ihre erste Geige, die ihr der Vater baut und sie darauf unterrichtet. Der Kinderpsychologin und Graphologin Lucie von Weizsäcker fällt die "Handschrift" der Kleinen auf und sie sagt ihr eine bedeutende künstlerische Zukunft voraus (und tippt dabei auf die Schriftstellerei). Als Sechsjährige erhält sie Musikunterricht in Violine, Klavier, Theorie und später auch Gesang, und an ihrem siebten Geburtstag gibt sie - auf eigenen Wunsch hin - mit der Geige ihr erstes öffentliches Konzert. In ihrem musikalischen Streben wird die Elfjährige stark von Yehudi Menuhin ermutigt, dann von dem Dirigenten Hans Rosbaud, der die gerade mal zwölfjährige Geigerin am Klavier begleitet. Aufgrund ihrer hochgradigen musikalischen Begabung wird sie durch den zuständigen Kultusminister nun vom Schulbesuch befreit, so dass sie sich ganz in den von Musik geprägten Tagesablauf geben kann.

Jenny Abel gewinnt mit 12 Jahren den ersten Preis beim Klavier-Wettbewerb der Stadt Baden-Baden, in dessen Folge sie kategorisch jegliche Teilnahme an weiteren Wettbewerben ablehnt. Ihre besondere Liebe gehört neben der Musik der Malerei, der sie sich gerne als weitere Möglichkeit zum künstlerischen Ausdruck widmet; später werden ihre Bilder ausgestellt. Bereits mit 13 Jahren wird sie als Jungstudentin an die Staatliche Musikhochschule Freiburg aufgenommen und nur ein halbes Jahr später an der Musikhochschule Köln in die Meisterklasse von Max Rostal. Dort wird der Komponist Bernd Alois Zimmermann auf sie aufmerksam und empfiehlt sie dem Sender WDR für die Interpretation seiner Violinwerke. Damit werden entscheidende Weichen für den geigerischen Weg von Jenny Abel gestellt: Mit ihren aussagekräftigen Interpretationen selten gespielter Musik nimmt sie in der Musikwelt bald einen wichtigen Platz ein - egal, ob es sich nun um neue Kompositionen oder um in Vergessenheit geratene Werke handelt. "Wenn ein unbekanntes Werk Erfolg haben soll, wird es Jenny Abel sein, die ihn herbeiführt", kommentiert "The Globe and Mail / Toronto".

Für Hans Werner Henze ist die junge Geigerin der Star beim "Cantiere Internzionale d'Arte im italienischen Montepulciano; er macht ihr eines seiner gelungensten Instrumentalstücke zum Geschenk: Die "sonata per violino solo", einen geigerischen Hochseilakt von 20 Minuten Dauer. Nach der Uraufführung des Werkes reist Jenny Abel damit um die ganze Welt und ihre ausgefallenen Solo-Programme, die einen musikalischen Bogen spannen - von Pisendel bis Henze oder anderen - werden zu ihrem unverwechselbaren Markenzeichen.

Musikpartner der Spitzenklasse gesellen sich zu Jenny Abel, darunter die Pianisten Leonard Hokanson und Roberto Szidon, und es entstehen mit vielen Preisen ausgezeichnete Aufnahmen, wie die gesamten Oeuvres mit teilweise nicht bekannten Werken von Bartók, Schumann, Brahms, Ives, Villa-Lobos.

Jenny Abel tritt als erste deutsche Solistin mit dem Peking Symphonie-Orchester in China auf und spielt mit ihm Konzerte von Schumann, Dvorak, Bach, Mozart, noch bevor Herbert von Karajan in China dirigiert. Dort spielt sie in einem kleinen Kreis vor Pekings Elite und, zu deren Erstaunen, das Neueste aus der Europäischen Musikszene. Zahlreiche Tourneen durch Europa, die USA, nach Kanada, Südamerika, Australien, Neuseeland und Südost-Asien folgen und viele bedeutende Orchester und Dirigenten laden die beliebte Solistin ein.

Bei einem Konzert im Wilhelm-Furtwängler-Haus am Genfer See hört der Maler Oskar Kokoschka, selbst ein großer Musikkenner, die junge Geigerin und er äußert spontan den Wunsch, sie zu portraitieren: In seinem Atelier entsteht die Suite aus sieben Bildern "Jenny Abel spielt Bartók und Bach" und ein Portrait der Künstlerin. Die Bilder sind Teil der Sammlung des Museum Albertina Wien.

Es folgen Meisterkurse an der California State University und der Royal Irish Academy of Music in Dublin und andern Orts. Das Deutsche Auswärtige Amt engagiert Jenny Abel als "Musikbotschafterin" für besondere Anlässe, so direkt nach dem Bosnien-Krieg für ein Konzert der Nationen in Sarajevo, wo sie Violinkonzerte von Bach und Beethoven spielt.

1992 gründet Jenny Abel die "Aktion Filarmonica Rumänien e.V.", die Musikern, Orchestern und weiteren Institutionen in Rumänien umfangreiche und vielfältige Hilfe zukommen lässt. Für dieses außerordentliche Engagement, aber auch als gefeierte Solistin, die mit den renommiertesten Orchestern Rumäniens auftritt und für ihre Interpretationen sämtlicher Violin-Werke von George Enescu, erhält sie 1998 den Preis der Musik- und Theaterkritik Rumäniens, der zuvor an keinen Geringeren als Sergiu Celibidache verliehen wurde.

Jenny Abels Initiativen gegen Rassismus bringen außergewöhnliche Kompositionen hervor. So schreibt ihr die russische Komponistin Tamara Ibragimova das Werk "Weiße Rose" - für Solovioline. Der Komponist Gerhard Rosenfeld widmet ihr sein "Requiem für Kaza Kathárinna", das erste Werk seiner Art zum Gedenken an Verfolgung und Ermordung von Roma und Sinti; die Solovioline tritt hier zusammen mit Sprechstimme, Gesang, Harfe, Schlagzeug und einem Zigeuner-Ensemble in Aktion. Mit überwältigender Resonanz erklingt das Requiem in Wien, Auschwitz, Krakau, Berlin, München und vielen weiteren deutschen Großstädten; Jenny Abel genießt dabei vor allem die gemeinsamen Auftritte mit dem legendären Zigeuner-Primas Schnuckenack Reinhardt, der erst vor Kurzem verstorben ist.

Das öffentlich gespielte Repertoire von Jenny Abel enthält Hunderte von Werken, davon eine Großzahl an Ur- und Erstaufführungen und es entstehen weitere, speziell für sie geschriebene Werke. So startete 2006 mit der renommierten Komponistin Violeta Dinescu das auf mehrere Jahre angelegte Projekt "Augenblicke", das für 2006 die "Jubilare" Mozart, Schumann, Bartók und Enescu mit ihrer Komposition für Violine und Klavier wie in einem Spiegel reflektiert.

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